Jute-Garn bei AMATSUNAWA – Herstellungsprozess, Qualität und Bedeutung für Shibari-Seile
Jute-Garn aus Tossa Jute Grade 1 bildet die Grundlage hochwertiger Shibari-Seile bei AMATSUNAWA. Erfahren Sie alles über den präzisen Herstellungsprozess – von Batching und Krempeln über Strecken, Spinnen und Zwirnen bis zur finalen Endbehandlung – und warum jeder Schritt entscheidend für Griffigkeit, Festigkeit, Hautverträglichkeit und Sicherheit ist.
Was ist Jute-Garn?
Jute-Garn wird durch das Verspinnen der langen Bastfasern der Jutepflanze hergestellt. Es bildet die Basis für alle AMATSUNAWA-Seile wie HASHIRA, KIYOMI und MITSUKI. Im Gegensatz zu vielen anderen Herstellern verwendet AMATSUNAWA konsequent Garn aus Tossa Jute Grade 1 (TD1 / Bangla Tossa Special) – der höchsten und feinsten verfügbaren Qualitätsstufe.
Warum Tossa Jute Grade 1?
Tossa Jute (Corchorus olitorius) Grade 1 zeichnet sich durch hohen Glanz, hervorragende Zugfestigkeit, eine feine und gleichmäßige Faserstruktur sowie geringe Haarigkeit/Faserverlust aus. White Jute wird bei AMATSUNAWA bewusst nicht verwendet, da sie gröber, matter und weniger reißfest ist.
1. Batching (Weichmachen / Emulgieren)
Batching ist der erste entscheidende Vorbereitungsschritt, nachdem die rohe Jute in Morah-Ballen ankommt. Die steifen und spröden Rohfasern werden mit einer natürlichen Emulsion behandelt, die meist auf Basis von lebensmittelechtem Sojabohnenöl, pflanzlichen Stärken oder einer Kombination aus beiden besteht.
Die Fasern werden gleichmäßig besprüht oder getaucht und anschließend mehrere Tage (meist 48–72 Stunden) in konditionierten Stapeln gelagert.
AMATSUNAWA verwendet ausschließlich JBO-freie (mineralölfreie) Emulsionen, um maximale Hautverträglichkeit und biologische Abbaubarkeit des fertigen Seils zu gewährleisten.
2. Krempeln (Carding) der Jutefasern
Nach dem Batching werden die aufgeweichten Fasern geöffnet und durchlaufen mehrere Krempelgänge auf Hochgeschwindigkeits-Krempelmaschinen.
Beim Carding parallelisieren gezahnte Walzen und Flats die Fasern, entfernen Verunreinigungen, kurze Fasern und Noppen und formen ein lockeres, kontinuierliches Band, das als Sliver bezeichnet wird.
3. Drawing (Strecken) der Jutefasern
Im Drawing-Prozess (auch Streckprozess genannt) werden 6–8 cardierte Bänder (Slivers) zusammengeführt (doubled) und gleichzeitig gestreckt (drafted). Dies geschieht durch eine Reihe von Walzenpaaren mit zunehmenden Geschwindigkeitsverhältnissen.
Der Vorgang wird in der Regel in 3 bis 4 Passagen (Durchgängen) wiederholt. Das Drawing verbessert die Parallelisierung der Fasern, sorgt durch das Mischen für eine höhere Gleichmäßigkeit des Materials, reduziert die Banddicke und bereitet die Fasern optimal auf die kontrollierte Verdrehung (Twist) vor.
Eine präzise Streckung verhindert die Entstehung von dicken und dünnen Stellen im späteren Garn. Solche Ungleichmäßigkeiten würden die Konsistenz und vor allem die Bruchfestigkeit des Seils oder Garns erheblich beeinträchtigen.
4. Jute Count – Garnfeinheit und Gewicht
Die Feinheit von Jutegarn wird traditionell in Jute Count (lb/spyndle) angegeben.
Ein Count entspricht dem Gewicht in Pfund von 14.400 Yards (ca. 13.167 m) Garn.
Je niedriger der Count-Wert, desto dicker und schwerer ist das Garn.
AMATSUNAWA verarbeitet vorwiegend Garne im Bereich von 4 bis 15 lb/spyndle. Dieser Bereich stellt den optimalen Kompromiss zwischen hoher Zugfestigkeit, guter Griffigkeit, ausreichender Flexibilität und angenehmer Hautverträglichkeit dar – ideal für erstklassige Shibari-Seile.
5. Spinning und Twist (Spinnen und Ver-Drehung)
Das gestreckte Band (Sliver) wird in Flyer- oder Ringspinnmaschinen eingespeist, wo es weiter verstreckt und mit einer definierten Drehung versehen wird, um ein einzelnes Garn zu bilden.
Der Twist Multiplier (Drehungsfaktor) wird für jeden Seiltyp sorgfältig berechnet. Eine optimale Drehung sorgt für ausreichenden Zusammenhalt der Fasern, um ein Gleiten unter Belastung zu verhindern, gleichzeitig bleibt das Garn flexibel genug für Knoten und die Handhabung des Seils.
Zu wenig Drehung führt zu einem schwachen Garn, das bei Belastung (z. B. bei Suspension) katastrophal versagen kann. Zu viel Drehung erzeugt innere Spannungen, verringert die Flexibilität und kann dazu führen, dass das Garn kräuselt, Schlaufen bildet oder sich verdreht.
6. Zwirnen und Endbehandlung
Feinere Einzelgarne werden oft zu 2-fach, 3-fach oder mehrfach gezwirnten Konstruktionen (multi-ply) verarbeitet, um die allgemeine Zugfestigkeit und Haltbarkeit zu erhöhen.
Während des Zwirnprozesses müssen die Drehungsrichtung und der Grad der Drehung sorgfältig auf die Drehung des Einzelgarns abgestimmt werden, um ein unerwünschtes Kräuseln (Torque) sowie Oberflächenunregelmäßigkeiten zu vermeiden.
Vor dem Aufwickeln auf Spulen kann eine leichte, natürliche Appretur – in der Regel auf Basis pflanzlicher Stärken oder Ölen in Lebensmittelqualität – aufgetragen werden. Dies verbessert die Laufeigenschaften und reduziert den Faserabrieb während der Verwendung, wobei gleichzeitig die Hautverträglichkeit und biologische Abbaubarkeit erhalten bleiben.
Bedeutung für Shibari Seile
Hochwertiges Jutegarn bestimmt maßgeblich die Leistungsfähigkeit des fertigen Seils:
- Hervorragende Reibung und Griffigkeit für sichere Knoten
- Minimale Dehnung für stabile Spannung während der Suspension (Aufhängung)
- Überlegener Hautkomfort durch schonende Verarbeitung
- Langfristige Haltbarkeit selbst bei intensiver Nutzung
AMATSUNAWA verarbeitet das Garn derzeit zu vier verschiedenen Seiltypen: HASHIRA (hart), KIYOMI (medium), KIYOMI RED (medium) und Mitsuki (locker geschlagen/mehrfach gezwirnt) – jeweils zugeschnitten auf die unterschiedlichen Anwendungen im Shibari und Kinbaku.
Fazit
Jutegarn ist weit mehr als nur ein Zwischenschritt. Jede Phase – von der Vorbereitung (Batching) und dem schonenden Kardieren bis hin zum präzisen Strecken und optimalen Verdrehen – beeinflusst maßgeblich die Qualität, Sicherheit und Handhabung des finalen Seils.
Bei AMATSUNAWA werden in jedem Schritt höchste Standards angewandt, um sichere, langlebige und hautfreundliche Seile zu schaffen, die den anspruchsvollen Anforderungen der Shibari-Community gerecht werden.
Quellen (Stand März 2026)
- ICAR-NINFET Kolkata – Technische Berichte zur Juteverarbeitung
- Bangladesh Jute Mills Association (BJMA) und Indian Jute Mills Association (IJMA)
- Journal of Natural Fibers – Studien zur Jute-Spinnerei und Drehungsdynamik
- AMATSUNAWA interne Qualitäts- und Fertigungsstandards
Buchempfehlung
- The Complete Book on Jute & Coir Products (With Cultivation & Processing) – NIIR Board of Consultants & Engineers