Vorgefärbte Juteseile vs. Seile aus vorgefärbtem Garn: Feuchtigkeit, Schrumpfung & Qualitätsprüfung für Shibari und Kinbaku
In der Shibari- und Kinbaku-Praxis ist die Auswahl des richtigen Seils entscheidend für Ästhetik, Komfort und vor allem für die Sicherheit.
Juteseile sind in vielen Farben erhältlich – es gibt jedoch einen erheblichen Unterschied zwischen vor-gefärbten Jute-Seilen (bei denen das fertige Seil gefärbt wird) und Seilen, die aus vor-gefärbtem Garn hergestellt werden, wie z. B. KIYOMI RED von AMATSUNAWA. Dieser Unterschied betrifft insbesondere die Erhaltung der strukturellen Integrität und Stabilität.
Und da Jute eine hydrophile Naturfaser ist, gibt es spezifische Eigenschaften, die Sie berücksichtigen sollten.
Was sind vorgefärbte Juteseile?
Bei vorgefärbten Juteseilen im klassischen Sinne wird das bereits fertig gedrehte Seil nachträglich in ein Färbebad getaucht. Die Farbe dringt meist nur oberflächlich ein. Dieses Verfahren ist günstig, kann jedoch die Fasern belasten: Das Seil wird mitunter spröder, die Farbe reibt schneller ab und die Belastbarkeit kann sinken – besonders wenn das Seil nach dem Färben ohne Längsspannung getrocknet wird.
Seile aus vorgefärbtem Garn – der Premium-Standard
KIYOMI RED wird aus vorgefärbtem 100 % Tossa-Jute-Garn der Grade 1 hergestellt. Die umweltfreundliche Färbung erfolgt bereits auf Garn-Ebene, bevor die Stränge zum Seil geschlagen werden. Dadurch entsteht eine durchgehende, intensive Farbe bei voller Erhaltung der strukturellen Integrität. Die Schlagung ist bewusst etwas lockerer gewählt, um trotz des gefärbten Garns optimale Geschmeidigkeit zu erreichen. Verfügbare echte Durchmesser: 5 mm, 5,5 mm und 6 mm mit zertifizierten Bruchlasten von 185 daN (5 mm), 198 daN (5,5 mm) bzw. 228 daN (6 mm).
Das Feuchtigkeitsverhalten von Jute – ein wichtiger Faktor für beide Varianten
Jute nimmt Flüssigkeit bereitwillig auf. Ein nicht gespanntes Seil, das mit Wasser in Kontakt kommt, schrumpft in der Länge um etwa 6 % und quillt im Durchmesser um bis zu 20 % auf. Wird das Seil ohne Längsspannung getrocknet, setzt es sich um ca. 4 % in der Länge, der Durchmesser kehrt jedoch nicht vollständig zum ursprünglichen Maß zurück. Das Seil fühlt sich dann leichter an und seine Tragfähigkeit kann reduziert sein.
Deshalb empfehlen wir dringend eine einfache Qualitätsprüfung: Schneiden Sie ein kurzes Stück ab, dröseln Sie es auf und zählen Sie die Garnfäden. Hochwertige Juteseile (14/1 oder 15/1 Jute Count) weisen folgende Gesamtzahlen auf:
- ø 6,0 mm = 33 Garnfäden
- ø 5,5 mm = 30 Garnfäden
- ø 5,0 mm = 27 Garnfäden
- ø 4,5 mm = 24 Garnfäden
Ein vorgefärbtes 6-mm-Seil, das sich leicht anfühlt und nur 27 Fäden hat, ist wahrscheinlich ein ursprünglich kleineres Seil (z. B. 5 mm), das ohne Spannung getrocknet wurde. Bei Suspensionen mit hohem Risiko müssen Sie die reduzierte Belastbarkeit unbedingt berücksichtigen.
Korrekte Trocknung unter Längsspannung
Die natürliche Trocknung unter Spannung hilft dem nassen Seil, weitgehend zu seinen Originalabmessungen zurückzukehren. Wenden Sie folgende Mindestgewichte pro Meter an:
- ø 6,0 mm = 980 g
- ø 5,5 mm = 900 g
- ø 5,0 mm = 800 g
- ø 4,5 mm = 750 g
Diese Maßnahme minimiert Schrumpfung und Durchmesseränderungen und erhält die Stabilität.
Fazit
Vorgefärbte Juteseile können eine günstige Einstiegsoption sein, bergen jedoch oft Kompromisse bei Stabilität und Langlebigkeit.
Seile aus vorgefärbtem Garn wie KIYOMI RED von AMATSUNAWA bieten professionelle Qualität: intensive, durchgehende Farbe, volle strukturelle Integrität und optimierten Griff.
Kennen Sie das Feuchtigkeitsverhalten von Jute und wenden Sie die Qualitätsprüfung sowie die Trocknung unter Spannung konsequent an, dann genießen Sie sichere, langlebige und ästhetisch ansprechende Seile für anspruchsvolle Shibari- und Kinbaku-Anwendungen.