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Bruchlast von Naturfaser- und Juteseilen - Wichtige Sicherheitsfaktoren für Shibari & Bondage


(basierend auf Daten von amatsunawa.com und allgemeinen Erkenntnissen aus der Shibari-Community – Stand März 2026 )

Wie stark sind AMATSUNAWA Juteseile wirklich? Bruchlast von HASHIRA (hart, robust), KIYOMI & MITSUKI + Sicherheitsfaktoren (10–15-fach für Suspension). Keine PSA-Zertifizierung – wichtige Tipps für sicheres Shibari & Bondage.

Was ist Bruchlast (Breaking Strength)? 

Die Bruchlast (auch Traglast oder Breaking Load genannt) gibt an, bei welcher Zugkraft ein Seil reißt. 

Sie wird meist in daN (Dekanewton) angegeben – 1 daN entspricht ungefähr 1 kg Kraft (genauer: 1 daN ≈ 1,02 kgf). 

Wichtig: Kein Hersteller kann eine pauschale Garantie geben – auch nicht amatsunawa.com. Die angegebenen Werte beziehen sich immer nur auf getestete Abschnitte.



Bei Naturfaserseilen (Jute, Hanf, Sisal, Manila etc.) ist die Bruchlast kein fester Wert, sondern ein Richtwert

Naturfasern unterliegen starken Schwankungen durch:

  • Faserdichte und -qualität
  • Feuchtigkeit, Alterung und Lagerung
  • Knoten (reduzieren die Festigkeit oft um 30–50%!)
  • Dynamische Lasten (z. B. beim Fallen oder ruckartigen Bewegungen)




Bruchlast von hochwertigen Premium Juteseilen  (Beispiel: amatsunawa.com)

KIYOMI (gold)

KIYOMI (mittelhart-geschlagen, Einfachgarn, 3-litzig - für anspruchsvolle Anwendungen)

  • Ø 5 mm: 180 daN (ca. 180–184 kg)
  • Ø 5.5 mm: 200 daN (ca. 200–204 kg)
  • Ø 6 mm: 230 daN (ca. 230–235 kg)


KIYOMI (rot)

KIYOMI RED (mittelhart-geschlagen, Einfachgarn, 3-litzig, leuchtend rot, aus vorgefärbtem Garn)

  • Ø 5 mm: 185 daN (ca. 187 - 189 kg)
  • Ø 5.5 mm: 198 daN (ca. 200 - 202 kg)
  • Ø 6 mm: 228 daN (ca. 230 - 233 kg)

(Ähnlich wie das goldene / naturfarbene KIYOMI, jedoch etwas lockerer / weicher und gefärbt)

HASHIRA 6/0

HASHIRA 6/0 (hart-geschlagen / robust, Einfachgarn, 3-litzig, für strukturellen Shibari)

  • Ø 6 mm: 190 daN (ca. 192 - 194 kg)

Durch seine härtere Schlagung ist dies das robusteste Seil im AMATSUNAWA-Sortiment, speziell entwickelt für anspruchsvolle, strukturelle Techniken und höhere Belastungen. Es bietet mehr Grip und Halt, ist nachsichtiger gegenüber Karabinern, aber weniger hautfreundlich als weichere Varianten.

Mitsuki

MITSUKI (weich, locker-geschlagen, Mehrfachgarn, 3-litzig)

Deutlich niedrigere Bruchlast als Einfachgarn-Seile wie HASHIRA oder KIYOMI.

Ausdrückliche Empfehlung von AMATSUNAWA: MITSUKI-Seile NICHT für Uplines / Suspension verwenden! 

Ideal für Bodenarbeit, aber zu schwach für vertikale Belastungen.


Vergleich mit anderen Naturfaserseilen (Richtwerte bei Ø 6mm):

- Jute: (Premium, mittelhart wie z.B. KIYOMI): 180–250 daN

Hanf(oft deutlich stärker): 230–500+ daN (besser geeignet für Suspension)

- Sisal / Manila: generell schwächer und deutlich rauer

Wichtiger Hinweis: KEINE PSA-Zertifizierung

Dies Seile von AMATSUNAWA (einschließlich HASHIRA, KIYOMI, KIYOMI RED, MITSUKI, usw.) besitzen keine Zertifizierung als Persönliche Schutzausrüstung (PSA) gemäß EU-Verordnung (EU) 2016/425 oder vergleichbaren Normen. 

Sie sind nicht zugelassen als Kletterseile, Lastaufnahmemittel oder PSA. 

Das bedeutet: 

  • Sie erfüllen keine offiziellen Sicherheitsnormen für PSA (z. B. EN 1891 für Rettungsseile oder EN 892 für Kletterseile).
  • Der Einsatz erfolgt ausschließlich auf eigene Gefahr und es besteht kein Hersteller-Haftungsschutz für sicherheitskritische Anwendungen.

Dieser Haftungsausschluss ist ausdrücklich in unseren Allgemeinen Produktsicherheitshinweisen (General Product Safety) angegeben.

Welche Sicherheitsfaktoren müssen berücksichtigt werden? 

Die reine Bruchlast sagt nicht, wie sicher das Seil in der Praxis ist. Deshalb gilt in der Shibari- und Bondage-Community folgender Sicherheitsfaktor (Safety Factor): 

Anwendung

Empfohlener Sicherheitsfaktor

Beispiel: Person mit 80 kg

Bodenbondage

5–8 fach

min. 400–640 daN Rohbruchlast

Teil-Suspension / Uplines

min. 10-fach

min. 800 daN Rohbruchlast  

Voll-Suspension (hohes Risiko)

12–15 fach oder mehr

min. 960–1,200 daN Rohbruchlast + Puffer           


Warum so hohe Sicherheitsfaktoren?

Die empfohlenen Sicherheitsfaktoren (10-fach oder mehr bei Suspension im Shibari) mögen auf den ersten Blick sehr konservativ wirken, doch sie sind unerlässlich, um reale Bedingungen zu berücksichtigen, die die tatsächliche Tragfähigkeit eines Seils deutlich unter den Labor-Bruchlastwert senken. Hier eine detailliertere Aufschlüsselung der wichtigsten Faktoren:

Knoten reduzieren die Festigkeit um 30 - 50 % (in manchen Fällen sogar mehr)

  • Knoten erzeugen scharfe Biegungen und Klemmstellen, die die Last ungleichmäßig über die Fasern verteilen. Dadurch entstehen lokale Spannungskonzentrationen, bei denen einzelne Fasern vorzeitig reißen. 
  • Übliche Shibari-Knoten (z. B. Single-Column-Ties, Half-Hitches oder Munter-Hitches) behalten in der Regel nur 50–70 % der ungeknoteten Seilfestigkeit – abhängig von Knotentyp, wie sauber der Knoten gebunden („dressed“) ist und vom Seilmaterial.
  • In Worst-Case-Szenarien (z. B. schlecht gebundene oder stark eingezogene Knoten unter hoher Last) können die Festigkeitsverluste 50 % oder mehr erreichen.
  • Spleiße oder knotfreie Konstruktionen behalten deutlich mehr (oft 90 % oder höher), aber Knoten sind in den meisten Fesselungen unvermeidbar.

Dynamische Belastungen (Bewegungen, Rucke oder plötzliche Abstürze) kann die Spitzenkraft verdoppeln - oder sogar mehr als verdoppeln 

  • In Shibari, insbesondere bei Teil- oder Vollsuspension, ist die Last selten rein statisch. Selbst kleine Bewegungen (Verlagern des Körpergewichts, Atmen, Zappeln oder unbeabsichtigte Abstürze) erzeugen Schockbelastungen oder dynamische Spitzen. Diese kurzzeitigen Peaks können die aufgebrachte Kraft leicht um das 1,5- bis 3-Fache (oder in extremen Fällen wie bei einem kurzen Sturzfaktor sogar mehr) vervielfachen. Statische Bruchlast-Tests erfassen das nicht – sie wenden die Kraft langsam und gleichmäßig an. Deshalb erfährt das Seil in der Praxis deutlich höhere momentane Belastungen, als die reinen Zahlen vermuten lassen.


Alterung, Abrieb, Verschleiß und Umwelteinflüsse schwächen das Seil schrittweise 

  • Im Laufe der Zeit und bei Gebrauch degradieren die Jutefasern durch wiederholtes Biegen, Reibung an Haut, Hardware oder Boden sowie durch mikroskopische Schäden.
  • Abrieb nutzt die äußeren Stränge ab, verringert den Gesamtquerschnitt und damit die Festigkeit.
  • Feuchtigkeit lässt Jute aufquellen, schwächt die Faserbindungen und fördert Schimmel- oder Fäulnisbildung, wenn das Seil nicht richtig getrocknet wird. 
  • UV-Strahlung (Sonnenlicht) sowie chemische Rückstände (Schweiß, Öle, Farbstoffe) beschleunigen den Abbau erheblich. 
  • Ein Seil, das anfangs volle Festigkeit besitzt, kann nach mäßigem Gebrauch bereits 10–30 % oder mehr an Tragkraft verlieren – selbst wenn es optisch noch „in Ordnung“ aussieht.


Natürliche Schwankungen bei Jute (±20-30 % oder mehr möglich)

  • Als Naturfaser ist Jute nicht so einheitlich wie synthetische Seile. Die Festigkeit variiert zwischen verschiedenen Chargen, einzelnen Seilen oder sogar Abschnitten desselben Seils – und das aufgrund von Unterschieden in Faserqualität, Anbaubedingungen, Verarbeitung, Drehkonsistenz und Feuchtigkeit während der Herstellung. 
  • Die Herstellerangaben (z. B. von amatsunawa.com) sind immer Durchschnittswerte aus getesteten Proben. 
  • Dein konkretes Seil kann daher rein aufgrund dieser natürlichen Schwankungen 20–30 % schwächer (oder auch stärker) sein.


Fazit:  Diese kombinierten Faktoren bedeuten, dass die „tatsächliche“ sichere Arbeitslast in anspruchsvollen Shibari-Szenarien leicht auf 1/10 (oder sogar weniger) der angegebenen Bruchlast sinken kann.

Hohe Sicherheitsfaktoren schaffen mehrere Schichten an Redundanz, sodass das System selbst dann noch sicher hält, wenn mehrere Probleme gleichzeitig auftreten (z. B. ein Knoten + dynamischer Ruck + leicht abgenutztes Seil).

Bei Bondage, bei dem Menschenleben betroffen sein können, ist Vorsicht absolut unverhandelbar – lieber zu viel Puffer als zu wenig.

AMATSUNAWA Empfehlungen für Suspension (Leitfaden Seildurchmesser): 

  • Ø 6 mm (e.g., HASHIRA oder KIYOMI): geeignet für Personen mit einem Körpergewicht von 70–90 kg 
  • Ø 5.5 mm: weniger als 70 kg 
  • Ø 5 mm und geringer: nur für Bodenarbeit or für Suspension von sehr leichten Personen
  • MITSUKI: grundsätzlich keine Uplines! 

Nutzen Sie immer mehr als 2 Seile, um eine Person zu sichern! 

Praktische Sicherheitstipps (Checklist)

1. Immer vor jeder Session inspizieren: Risse, Verformungen, Knotenbereiche, Verfärbungen.  

2. Regelmäßig testen: Ziehtest mit kontrollierter Last (niemals an einer Person!).  

3. Richtige Pflege: Trocken lagern, vor direkter Sonneneinstrahlung schützen; bei Bedarf leicht ölen (z. B. Jojobaöl, Seilbutter). 

4. Nie allein auf Zahlen vertrauen: Training bei erfahrenen Riggers, Risikobewusstsein und sichere Techniken sind entscheidend.  

5. Notfallplan: Sicherheits-Schere, Quick-Release-Knoten, Kommunikation mit dem Partner.

Fazit

Juteseile in Premium-Qualität (JBO-frei, wie die von AMATSUNAWA) bieten eine hervorragende Bruchlast für Shibari – besonders die harten Varianten wie HASHIRA (für maximale Robustheit), KIYOMI (toller Allrounder) und das weiche MITSUKI (nur für Bodenarbeit). 

Dennoch hängt die Sicherheit immer von drei Dingen ab: dem Sicherheitsfaktor + Wissen + Erfahrung. 

 Faustregel: Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Seil die Last halten kann → nicht verwenden. Besser eine Nummer stärker wählen (z. B. HASHIRA 6 mm) oder auf bewährte Hanfseile umsteigen. Und immer im Hinterkopf behalten: Keine PSA-Zertifizierung – Einsatz auf eigene Gefahr.

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AMATSUNAWA - Leidenschaft für exquisite Seile.