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JBO – Batching Oil: Die Rolle von Sojabohnenöl bei der Herstellung hochwertiger Jute-Seile


Wenn Sie sich mit der Herstellung oder dem Gebrauch von Naturfaserseilen für Shibari und Kinbaku beschäftigen, stoßen Sie unweigerlich auf den Begriff JBO – Jute Batching Oil

Das Batching ist ein entscheidender Prozessschritt in der Jute-Verarbeitung: Hier wird das rohe Jute-Faserbündel mit einer Emulsion aus Öl, Wasser und Emulgator behandelt, um die Fasern geschmeidig zu machen und die spätere Spinn- und Verdrillqualität zu optimieren.

Was ist Batching und warum ist es technisch entscheidend?

Beim Batching werden die Jute-Filamente auf einem porösen Förderband ausgebreitet und mit der Emulsion besprüht. Typische Applikationsmengen liegen bei 15–25 % Emulsion bezogen auf das Fasergewicht, was einem finalen Ölgehalt im Garn von ca. 2 % entspricht. Die Fasern werden anschließend gestapelt (piling) – meist 24 bis 48 Stunden, bei niedrigeren Qualitäten bis zu 72 Stunden. Während dieser Zeit dringt die Feuchtigkeit (ca. 14–16 %) tief in die Fasern ein, die Lignin-Struktur wird aufgeweicht und die Reißfestigkeit beim Krempeln und Spinnen deutlich erhöht.

Herkömmliches mineralisches JBO – technische Spezifikationen und Risiken

Traditionelles JBO ist ein mitteldestilliertes Erdölprodukt (C12–C20-Kohlenwasserstoffe / weißes Mineralöl) und entspricht der indischen Norm IS 1758:1986 (Typ 1/2). 

Wichtige Kennwerte sind:

  • Dichte bei 15 °C: ≥ 0,850 g/cm³ (max. 0,900)
  • Kinematische Viskosität bei 37,8 °C: max. 15–25 cSt
  • Flash Point (PMCC): ≥ 54 °C (oft > 121 °C)
  • Pour Point: ≤ –9 °C (Winter) bzw. ≤ 21 °C (Sommer)
  • Farbe ASTM: max. 7,0

Die Emulsion wird meist im Verhältnis 25 % Öl : 73,5 % Wasser : 1,5 % Emulgator (z. B. nicht-ionisch) hergestellt.

Karzinogene Eigenschaften mineralischen JBO – Ergebnisse der Mehrotra-Studien (1979–1989)

Eine umfangreiche Serie wissenschaftlicher Untersuchungen der Arbeitsgruppe um NK Mehrotra hat die gesundheitlichen Risiken mineralischen Jute Batching Oils detailliert analysiert. Die 1979er Studie zeigte bei alleiniger topischer Applikation von JBO auf Mäusehaut über 300 Tage zunächst keine direkten karzinogenen Veränderungen in Haut oder inneren Organen; UV- und IR-Spektroskopie wiesen keine polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAHs) nach. 

Allerdings trat eine deutliche co-karzinogene Wirkung auf: JBO verkürzte die Tumorentwicklungszeit bei gleichzeitiger Applikation mit dem bekannten Karzinogen Benzo[a]pyren um etwa vier Wochen. Spätere Studien (1982–1989) lieferten jedoch klare Belege für tumorinitiierende und vor allem stark tumorpromovierende Eigenschaften. JBO-P enthält PAHs, insbesondere höherkondensierte Fraktionen mit mehr als drei Ringen, die für die Induktion benigner Hauttumore (Papillome, Keratoakanthome und Fibrosarkome) in Zwei-Stufen-Karzinogenese-Modellen an Mäusehaut verantwortlich sind. Die JBO-P-Variante erwies sich zudem als vollständiges Karzinogen oder starker Promotor. Zusätzlich induziert JBO Enzyme wie Benzo[a]pyren-Hydroxylase und wirkt über oxidative Stress-Mechanismen.

Sojabohnenöl als pflanzliche, kohlenwasserstofffreie Alternative

Sojabohnenöl dient als pflanzliche, kohlenwasserstofffreie und biologisch abbaubare Alternative in der Jute-Verarbeitung (Weichmachen und Konditionieren der rohen Jutefilamente vor dem Spinnen). Es handelt sich typischerweise um lebensmittelechte Qualität – raffiniert oder kaltgepresst –, die in einer Öl-in-Wasser-(o/w)-Emulsion mit nicht-ionischem Emulgator eingesetzt wird. Es vermeidet die karzinogenen PAH-Bedenken des mineralischen JBO und eignet sich daher hervorragend für Jute-Produkte mit Lebensmittel- und Hautkontakt.

AMATSUNAWA setzt ausschließlich auf 100 % kaltgepresstes, Vitamin A/D-angereichertes, GMO-freies Sojabohnenöl (CAS 8001-22-7). 

Typische Kennwerte (nach aktuellen Datenblättern von ADM, Perdue und Corechem):

  • Dichte bei 25 °C: 0,917–0,925 g/cm³
  • Viskosität bei 40 °C: ca. 39 cSt (bei 25 °C ca. 45–55 cP)
  • Iodzahl: 124–139 g I₂/100 g (hoher Anteil ungesättigter Fettsäuren, vor allem Linolsäure 50–57 %)
  • Flash Point: > 300 °C (geschlossener Tiegel)
  • Free Fatty Acids (FFA): < 0,05 %
  • Peroxidwert: < 1 meq/kg
  • Feuchtigkeitsgehalt: ca. 0,08 %

Das Öl ist GRAS‑zertifiziert, vollständig biologisch abbaubar und vollkommen geruchlos. Natürliche Tocopherole sorgen für eine ausgezeichnete oxidative Stabilität.

Aktuelle Forschung: Vergleich SBO- vs. mineralischer JBO-Emulsion (Studie 2023)

Eine Studie aus dem Jahr 2023 zur Abfall‑ und Verlustanalyse in der Jutespinnerei vergleicht eine SBO‑basierte Emulsion (Sojabohnenöl) mit traditionellem mineralischem JBO. Zentrale Ergebnisse:

  • Feuchtigkeitsgehalt: ~0,08 % (vs. 0,4–0,5 % bei mineralischem JBO).
  • Applikation: 18 % Emulsion (bezogen auf das Gewicht der Jutefasern) aufgetragen mit einer Spreader‑Maschine, mit dem Ziel von ca. 2 % Ölanteil im Endgarn. Rezeptur und Emulgator entsprechen denen der JBO‑Emulsion.
  • Eigenschaften: Geringere Schmierfähigkeit und geringere Feuchtigkeitsretention als mineralisches JBO. Dies führt zu einer höheren Faserbruchrate und Staubbildung während der Verarbeitung (Gesamtabfallrate ca. 3,36 % höher). Gleichzeitig ist die Emulsion umweltfreundlicher und reduziert gesundheitliche Risiken.
  • Prozesskontext: Anwendung auf Rohjute (z. B. 60 % harte + 40 % weiche Fasern), anschließend 48‑stündige Konditionierung bei ca. 40 °C zur Weichmachung durch mikrobielle Einwirkung auf das Lignin. Verwendet zur Herstellung von Garnen wie 16/1 lb/sp.

Die Studie bestätigt: Trotz eines leicht erhöhten Verarbeitungsabfalls überwiegen die Vorteile in Bezug auf Sicherheit, Geruchslosigkeit und biologische Abbaubarkeit deutlich.

Aktuelle Batching-Verfahren im Überblick

  1. Batch-Zusammenstellung: Mischung verschiedener Jute-Qualitäten (Tossa, White etc.) für einheitliche Garnqualität.
  2. Emulsionsherstellung: Sojabohnenöl wird mit nicht-ionischem Emulgator und Wasser homogenisiert.
  3. Applikation: Fein versprüht im Weichmacher (Langfasern) oder im Spreader (Kurzfasern) – typischerweise 18 % bei Verwendung von SBO.
  4. Konditionierung: Stapeln und 24–72 Stunden (oft 48 h bei ~40 °C) ruhen lassen – entscheidend für gleichmäßige Feuchtigkeitsaufnahme und mikrobielle Weichmachung.
  5. Weiterverarbeitung: Krempeln, Zeichnen, Spinnen und Verdrillen zu hochwertigen einlagigen Garnen.

Vorteile für Shibari- und Kinbaku-Seile

Die Verwendung von Sojabohnenöl garantiert geruchsfreie, hautfreundliche und langlebige Seile. Keine Mineralölrückstände, volle Kompatibilität mit Hautkontakt und vollständige biologische Abbaubarkeit – ideal für anspruchsvolle Anwenderinnen und Anwender. AMATSUNAWA setzt bewusst auf diese Premium-Variante und liefert damit Seile, die höchsten Sicherheits- und Qualitätsstandards entsprechen.

Nicht vergessen:  Wenn Ihr Seil nach Kerosin riecht, dann enthält es giftiges JBO.

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AMATSUNAWA - Leidenschaft für exquisite Seile. Created for you!

Datenblatt: AMATSUNAWA Spezifikation Chargenvorbereitungsöl auf Sojabohnenöl-Basis 

Hier sehen Sie das Datenplatt für das Chargenvorbereitungsöl (Batching-Öl) welches wir für unsere AMATSUNAWA Seile verwenden. 

Buchempfehlungen

  • From Rope to Ties: Processing Hemp and Jute Rope for Shibari von JE Earl – praxisnahe Anleitung zur Verarbeitung von Jute- und Hanfseilen (Paperback und Kindle).
  • Jute And Its Manufacture von Herbert R. Carter – klassisches Werk zur gesamten Jute-Verarbeitungskette (verfügbar als Paperback).
  • Modern Flax, Hemp, And Jute Spinning And Twisting – detaillierte technische Grundlagen der Faserspinnerei.

Quellen:

  • Mehrotra NK, Saxena AK. Evaluation of carcinogenic effect of mineral oil used in the processing of jute fibres. Br J Exp Pathol. 1979;60(5):518-525.
  • Kumar S, Antony M, Mehrotra NK. Induction of benzo[a]pyrene hydroxylase in skin and liver by cutaneous application of jute batching oil. Cancer Lett. 1982;16(3):311-317.
  • Agarwal R, Kumar S, Shukla Y, Antony M, Mehrotra NK. Quantification of tumour initiating effect of jute batching oil and its distillates over mouse skin. Cancer Lett. 1985;28(3):307-313.
  • Agarwal R, Kumar S, Mehrotra NK. Polyaromatic Hydrocarbon Profile of a Mineral Oil (JBO-P) by Gas Chromatography. Indian J Exp Biol. 1986;24(11):731-733.
  • Mehrotra NK, Kumar S, Agarwal R, Antony M. Jute batching oil: a tumor promoter on mouse skin. Environ Res. 1987;44(1):107-116.
  • Agarwal R, Shukla Y, Kumar S, Mehrotra NK. Evaluation of carcinogenic effect of jute batching oil (JBO-P) fractions following topical application to mouse skin. Cancer Lett. 1988;42(1-2):53-59.
  • Mehrotra NK, Kumar S, Antony M. Carcinogenic Property of JBO(P) Variety of Jute Batching Oil. Drug Chem Toxicol. 1988;11(2):181-193.
  • Antony M, Kumar S, Mehrotra NK. Role of GSSG-reductase and a thiol oxidant diethylmaleate (DEM) in skin tumorigenesis induced by jute batching oil. Cancer Lett. 1989;44(3):211-216.
  • Investigation on Wastage Analysis of Jute Fiber Spinning Using JBO and Soybean Oil Based Emulsion (Shoaib Islam Zico et al., 2023).
  • IS 1758:1986 – Jute Batching Oil (Bureau of Indian Standards).
  • Technische Datenblätter Sojabohnenöl: ADM, Perdue AgriBusiness, Corechem (2021–2025).
  • AMATSUNAWA interne Spezifikationen und Produktionsdaten.